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Ausgabe #10
Mai 2021
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Während der Abschlussveranstaltung bot Bas Böttcher ein Poetic Recording dar. Seine zwei Spoken-Word-Performances entstanden während der Tagung und reflektierten die Tagung selbst, auf direkte und kreative Art. Am 7. Mai wurden die Inhalte der Podcasts und am 8. Mai die drei Paneldiskussionen im poetischen Protokoll zusammenfasst.

 

Von einer wahren Annahme zur Warenannahme und zurück

Das Wissen der Künste ist ein Verb. Im heute veröffentlichten Glossar von Verben stehen auch das Zweifeln, das Pervertieren, das Verunreinigen, der Bruch mit dem Gegebenen, das Transformieren und Poetisieren.

 

Diese Verfahren möchte ich auf eigene Weise auf den Titel der Veranstaltung anwenden.

 

Ich erkläre die Aussage „Das Wissen der Künste ist ein Verb“ für ungültig.

Ich führe sie ad absurdum, indem ich im folgenden Stück kein einziges Verb verwende.

 

Man könnte auch sagen, indem ich ALLE Wörter zu Verben mache.

Da ich aber dieses Verfahren anwende, bestätige ich indirekt durch mein Tun und Handeln, dass das Wissen der Künste ein Verb ist.

 

Guten Tag! – Ich Handschlag Sie herzlich willkommen,

diese Zeilen zu Ohren

Das Wissen – ein Verb?!

 

Oder mehrere?

Der Bissen – viele Bissen

Das Kissen – viele Kissen

Das Wissen – viele Wissen

Viele Wissen – Viele Verben

Kaffeetasse, Rasenmäher, Karussell – alles Verben.

Tabak, Tic Tac … Nick Nacks – alles Verben.

 

Tastaturen am Ende vielleicht alle Wörter Verben?

Der Luftballon kukont sich zum Verb.

Das Riesenrad schreckschusst sich zum Verb.

Der Wegweiser pfeilt sich zum Verb.

 

„Spitzenschuhst Du mit mir?“ – „Nein, ich farb gerade in der E-Phase.“

„Trammst Du mit mir Taktstocken?“ – „Nein, ich altelier gerade.“

 

Stempelkissen wir die Welt!

Werkstatten wir unsern Weg!

Schallwellen wir Wissen im Graduiertenkolleg!

Wahnsinnen wir die Arbeit!

Knallfolien wir die Werke!

Desktoppen wir Stimmen und Stärke!

Epistemische Bilder-Berge.

 

Viele Wissen – viele Verben

 

Doch langustinen Wörter den Taten schon genug?

Blackboxt die Sprache immer gleich auch Vollzug?

Das Wort Wort Wortes eigenes Ereignis?

Das Wort Geist schon der Geist des Geistes?

(tut tun schon oder tut tun nur so)

 

Ein Wissen als Geschehen?

Ein Geschehen als Wissen?

 

Ein Verschaltungs-, Modellierungs-, und Transformationsgeschehen.

Ein Übungs-, Entwurfs- und Abduktionsgeschehen.

Ein Kunstgeschehen? Müssen wir unsere Maßnahmen an das Kunstgeschehen ambossen?

 

Jemand am Leinwanden, am Lavendeln, am Melodieren.

Jemand am Händen, am Gegenstanden, am Lapislazulieren.

Lupe und Aug’ genau hin,

Synapse bis ins Detail,

Instrumente mit Spürsinn

und allerlei dich frei,

im Material 1000 Formen und Größen.

Diskursive Praxis aus unendlich vielen Anstößen.

 

Viele Wissen – viele Verben

 

Ich iche.

Du dust.

Er, sie, es ersieest.

Wir wiren. – Viren wir?

(you and me? Pande-you, pande-me, Pandeyou and -mie?)

Ihrt ihr? Nein ihr ihrt, nein, ihr ihrt, nein, ihr.

 

Und die sich im Besitz des Wissens kisten?

Mit Langen Listen, Ziffern und Fristen

Partikeln sie nicht die Summe des von ihnen vergessenen?

Im Verfahren verfahren?

 

Und die mit Zweifel am Wissen?

Kristallen die nicht die reinste Form dessen?

Im Duktus, im Bogen,

im Tempo, in Noten?

 

Achterbahnen wir neue Weisen.

Startrampen wir ins Ungewisse

und Blockchainen Erkenntnisse in DNA

in Wesensart, lebensnah.

 

Klar, und nach all dieser Verb-Abstinenz,

vermisse ich sie, die Verben,

und mir bleibt nichts übrig,

als für all die Podcasts hier im Graduiertenkolleg der UdK zu Verben

zu werben.

 

 

recording 

 

7. 5. 21 Hashtag – Ein Verb. Das Wissen der Künste

16 Uhr – Webex-Meeting – Finale Glückwünsche

Vor uns eine Feier, Debatten und Abschlussbericht,

dazu viele Kästchen mit freundlichem Gesicht.

 

UdK-Präsident schickt sein Grußwort in die Runde.

Auftakt mit Schwung – Start erste Stunde!

Statt Händedruck, Hugs und Schild mit Namen,

Screentime! – Willkommen, die Herren, die Damen.

Expertinnen stehen zum Austausch bereit.

Notizen, Ideen und Inspiriertheit.

 

Warum das „Wissen der Künste“ ins Zentrum der Forschung rückt?

Martina Dobbe führt dies auf Legitimationsdruck zurück.

Es geht um Abgrenzung zu Kommerz und Kreativ-Industrie.

Kunst als Kunst legitimieren. – Aber wie!

 

Barbara Gronau über verkörpertes Wissen.

Gewagtes Spiel mit schwervermittelbaren Begriffen.

Beispiel: Schwingkreise aus der Plastiktüte

Sound-Archäologie erster Güte

dann gemeinsam erkannt:

Entstehen künstlerischer Praktiken als wichtig benannt.

 

Implizites Wissen stellt sich nicht mit Zahlen dar.

Mit Computation schwer berechenbar, macht Christoph Gengnagel klar.

Geht architektonischer Raum-Entwurf gleich von Beginn,

auch über Intuition, das Fühlen und den Sinn?

 

Neben dem Ästhetischen

auch immer dem Ethischen?

Aufmerksamkeit schenken?

gibt Judith Siegmund zu bedenken.

Was auf die Kunst Legitimationsdruck generiert,

ist, dass das Substantiv „Wissen“ immer was Greifbares impliziert.

 

Tanja Michalsky sieht auch neue Fragen:

Wer darf überhaupt über wen noch was sagen?

Zur Fortentwicklung von Wissensbestand

wurde der Fokus zum Verb hingewandt.

 

Nina Wiedemeyer sieht im Projekt einen interdisziplinären Laden.

Hier wird gesammelt, erkannt und zusammengetragen.

Auch geht es gemeinsam um das Sammeln von Fragen.

 

Dann Abschluss erster Tag – Aperol virtueller Art!

Breakout-Session-Browser-Button nicht überall am Start.

 

8. 5. – Zweites Panel – Praktiken und Prozesse

Andrang bei Webex – einhundert Gäste

Keynote – Katrin Busch geht relevanten Verfahren auf den Grund

Praxis mit verbalem Wissen im Verbund.

Implizites Wissen – im Unterschied zu explizit

Im Verb überschneiden sich Gebiet und Gebiet.

 

Kunst erweitert die Ausdrucksdimension von Wissen,

eingeschlossen auch Zögern, Zaudern und Vergessen.

Im Gefüge aus Material, Akteuren und Medien

kann Kunst sich in Bezügen zu betätigen

 

Sabine Huschka stellt die Richtschnur voran.

Was tritt in künstlerischer Praktik zusammen?

Als Essenz aus interdisziplinären Ergebnissen

die Frage – Wie generieren Praktiken Wissen?

Was macht Praktiken aus, um Räume zu schaffen?

Kunstformen im Dialog der Wissenschaften.

 

Silvia Bahl zitiert: „Praktiken sind auch Taktiken.“

Wenn wir auf Bewegung und Verwandlungen im Fach blicken,

ob Performanz oder spielerisches Ausprobieren,

Ereignishaftigkeit, Machen und Repetieren,

mit Umarbeitung, Reaktionen und Auseinandersetzungen,

ist das Wissen der Künste erlangt und gelungen.

 

Ariane Jeßulat – zum musikalischen Aspekt.

Stichwort – Partitur, in der schon Improvisation steckt?

Metamusikalischer Blick auf Orchester-Aktionen?

Spielanweisung greift in Struktur der Kompositionen.

 

Irina Raskin – Aspekt der Datenverarbeitung.

Verwendung, Anwendung, Umwendung?

Es geht um – Operativität digitaler Medien in Zukunft.

Ist ein Programm selbst auch ausführende Kunst?

Datenerfassung mit künstlerischer Sicht.

Automatisierte Prozesse, die die Kunst ästhetisch bricht.

 

Dann wird Zuhören als künstlerische Praxis benannt,

so hat Fritz Ludwig Schlüter sich zum Zuhör’n bekannt.

Akustisches Wissen im Hören auflösen,

dem Zuhörer beim Zuhören zuhören – im minutiösen.

 

Lauschen, zu lernen, der Klänge Lehre

Sein Podcast spricht durch Atmosphäre.

Blätterrauschen – Kinder-Schreien

Listen to everything all the time.

 

Susanne Hauser ergänzt zum Gesprächsverlauf:

Entwurf nimmt unendlich viele Bezüge auf.

Umfassender Zugriff, der aus einem Zentrum fragt.

Nimmt 1.000 Bezüge auf, forscht und wagt.

Bodenlose Beschäftigung, um den Boden zu finden.

Gesetzmäßigkeit schaffen und vielleicht überwinden.

Entdeckung, Verhandlung, dynamische Wandlung

 

Zwischendrin Ansagen und technische Fragen.

Rechter Button oben ja-nein – privaten Chat starten

 

Neue Runde – Neue Fragen:

Wie können Prozesse erkannt werden?

Wie lässt sich der Bezug Wissen / Körper bewerten.

 

Georg Dickmann am Beispiel Science-Fiction Literatur:

Mit Blick auf narko-kapitalistische Kultur,

über pharmakologisches Wissen poetologischer Art

und Argumentation zur biopolitischen Gegenwart.

 

Felix Laubscher über den Unreinheitsbegriff

und wie dieser die Kunst des Kinos betrifft.

Aufnahme und Montage als Film im Verbund.

Als Sonderfall auf der Grenze zwischen Kunst und Nichtkunst.

 

Stefan Neuner über Umstülpen und Pervertieren:

Man kann Verformung von Kunst schon als Kunst interpretieren.

Das Wahrnehmen selber ist ein Wissen, betont Sophia Prinz.

In Interaktion mit Displays schon Verschiebung des Sinns?

 

Nächstes Panel – Situiertheit und Transformation

Im Diskurs Austausch und Konzentration.

 

Juana Awad gibt den ersten Anstoß.

Mit dem Bezug Wissen und Gewalt geht das Gespräch los.

Sebastian Köthe, der zu Guantanamo forscht,

fragt: Wie setzt sich Gewalt in Medien-Perspektiven fort?

 

Frau Melgarejo Weinandt betont: künstlerische Praxis kann am besten

politischer Gewalt etwas schöpferisch entgegensetzen?

 

Maja Figge mit Bezug zu epistemischer Gewalt,

eurozentrischer Sicht und in vielerlei Form und Gestalt.

Machtverhältnisse und Interessen spielen mit rein,

Gewalt kann auch gewaltlos sein.

 

Zu Sexualisierung und Pathologisierung nimmt Grit Köppen Stellung.

Der Dehumanisierung in künstlerischer Forschung gebührt mehr Geltung!

 

Sebastian Köthe über das Stichwort des Empowerments.

Hier wird Kunst als Überlebensstrategie abgegrenzt.

Wo hört die Kunst auf, wo fängt Politik an?

Im Panel wird deutlich, dass man beides nicht trennen kann?

 

Jayrôme Robinet läutet die letzte Runde ein.

Wie spielt Situiertheit in den Wissensbegriff rein?

Wessen – Wesens  – Wissen? Und:

Wer hat die größte Bücherwand im Hintergrund?

 

Hanna Magauer: Von sozialen Bedingungen geprägt,

ist was wen beim Abbilden bewegt.

Gender, Race, Werdegänge und Denken,

Aspekte die eigene – und der anderen – Blicke lenken.

 

Sabine Nessel über Probleme und Chancen des Situierens.

Welche Wissenschaft forscht – was ist Ziel des Studierens?

Es führt das Material selbst durch unendliche Archive,

durch Öffnung und Nachsteuern findet man Ziele

 

Für Ildikó Szántós Manuskript nehmen wir uns Zeit.

Als Audio zur Rolle des Harawayschen zur Situiertheit,

sprechen über Situiertheit ist auch situiertes Sprechen,

sagt Annika Haas, um den Blick für beide Seiten zu brechen.

 

Es gäbe dazu noch viel mehr zu berichten,

Positionen, Perspektiven und Sichten.

Doch komm einfach nicht hinterher mit dem Dichten.

 

Und jetzt? Wir blicken auf zwei vielseitige Tage zurück.

Sah’n aus dem Großen ein’ Ausschnitt, ein Stück.

Neue Sichtweisen weiter kennengelernt.

Nah beieinander, physisch entfernt.

 

Und jetzt ein Poet, der das Ganze zusammenfasst.

Sicher viel zu verkürzt, vereinfacht, gerafft.

Im Schnelltempo rekapituliert.

Sicher habe ich nicht alles kapiert.

 

An alle Forscherinnen und Forscher:

Meinen Respekt verdient ihr sehr.

Denn es ist leicht, einen Satz zu sagen.

Doch Einsatz zeigen, das ist schwer!

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