Künste dekolonisieren. Ästhetische Praktiken des Lernens und Verlernens

De- und postkoloniale ästhetische Praktiken haben als Interventionen das Kunstfeld nachhaltig verändert und einen wichtigen Beitrag zu postkolonialer Kritik und dekolonialer Theorie-Praxis geleistet, indem sie Gegen-Narrative und Methoden der Erinnerung entwarfen und für die Sicht- und Lesbarkeit hegemonialer Strukturen sensibilisierten. Dennoch ist angesichts der fortgesetzten epistemischen Gewalt die Dekolonisierung der Künste ein unabgeschlossener und umkämpfter Prozess. Der Band fokussiert gegenwärtige künstlerische, ästhetische und epistemische Praktiken des Lernens und Verlernens und fragt nach den Konsequenzen dieser Wissenspraktiken für die Kunst- und Kulturwissenschaften, für die Institutionen der Kunst und für die Frage der Vermittlung von Kunst.

Das Ästhetisch-Spekulative

Spekulation ist ein riskantes Unterfangen. Als Wette auf unverfügbare Zukünfte, kommende Gegenwarten oder alternative Vergangenheiten ist sie geprägt vom Nicht-Wissen, auf das sie sich ausrichtet und von dem sie ihren Ausgang nimmt. Im Unterschied zu Ökonomie und Zukunftsforschung, die dem Nicht-Wissen mit Strategien des Risikomanagements begegnen, erforschen die Künste Möglichkeitsräume jenseits von gesicherter Erfahrung und prognostischem Wert. Sie sind dem Ungewissen verpflichtet – also dem, was man (noch) nicht wissen, über das man jedoch spekulieren kann. Im ästhetischen Spekulieren vermögen die Künste gleichermaßen plausible und widersprüchliche Szenarien zu testen, Heterochronien zu erproben und andere Körper zu denken. Der Band fragt, welches andere Wissen die spekulativen Verfahren der Kunst freilegen. Wie wird Künftiges, Virtuelles oder Utopisches vorstellbar? Und wie lassen sich vor diesem Hintergrund Kategorien wie künstlerische Produktion, ästhetische Erfahrung oder der Wert des Kunstwerks neu bestimmen?

Transcription of the Round Table commoning/communing

Ausgabe #9

What practices constitute the commons? What are the conditions of the situated processes of commoning? What and how do we thereby learn? What would constitute a new sense of sharing, distributing, partaking? And, how can we take the idea of relationality seriously and institute structures of reciprocity between art, academia, and activism? To address these questions the round table commoning/communing brings together three projects focusing on urban practices of commoning.

Introducing sharing/learning. The Opening Speech

Ausgabe #9

This text was part of the opening to the symposium sharing/learning: methods of the collective in art, research and activism and was read on 28th June 2019, in English, by two members of the organizing team, as introductory words. The text deliniates the central questions from which the two-day gathering arises, as well as its methodologies and actors. Many formulations originate from previously written concept papers, which were used to present the project for various purposes. These in turn are informed by the many conversations that took place within the organizational team – a group of people whose constellation was shifting along the way – orally as well as in writing. 

Reparatives Erinnern. Der Code Noir auf der documenta 14

Ausgabe #6

Der Beitrag berichtet von einem Abend im Parlament der Körper im Kasseler Fridericianum. Am 17. Juni 2017 versammelten sich unter dem Titel Black Athena reloaded 2: The Code Noir on trial Paul B. Preciado als Gastgeber, Pélagie Gbaguidi, Künstlerin der documenta 14, sowie die Wissenschaftler_innen Françoise Vergès, David Scott und Tavia Nyong’o und das Publikum, um über diesen zentralen Gesetzestext der kolonialen kapitalistischen Moderne zu sprechen und an die bis heute reichende Gewalt zu erinnern. Die Veranstaltung wird im Verhältnis zu weiteren Thematisierungen des Code Noir im Rahmen der documenta 14 diskutiert und als Versuch der Tribunalisierung verstanden, bei dem durch reparatives Erinnern eine Öffentlichkeit für die Geschichten der Gewalt aber auch des Widerstands hergestellt wird.