Filmisches Denken zwischen Kunst und Kino. Alain Badiou und die Unreinheit zeitgenössischer Film- und Videoarbeiten (2026)

Schriftenreihe des DFG-Graduiertenkollegs „Wissen der Künste“

Zwischen White Cube und Kinosaal verschränken zeitgenössische Film- und Videoarbeiten Fakt mit Fiktion und verbinden Bilder aus Kino, Kunst, Politik und Theorie. Felix Laubscher analysiert diese hybriden Formen im Rückgriff auf Alain Badious Konzept des Films als »absolut unreiner« Kunst und eigenständiger Denkweise. 

Das Ästhetisch-Spekulative (2020)

Schriftenreihe des DFG-Graduiertenkollegs „Das Wissen der Künste“

Spekulation ist ein riskantes Unterfangen. Als Wette auf unverfügbare Zukünfte, kommende Gegenwarten oder alternative Vergangenheiten ist sie geprägt vom Nicht-Wissen, auf das sie sich ausrichtet und von dem sie ihren Ausgang nimmt. Im Unterschied zu Ökonomie und Zukunftsforschung, die dem Nicht-Wissen mit Strategien des Risikomanagements begegnen, erforschen die Künste Möglichkeitsräume jenseits von gesicherter Erfahrung und prognostischem Wert. Sie sind dem Ungewissen verpflichtet – also dem, was man (noch) nicht wissen, über das man jedoch spekulieren kann. Im ästhetischen Spekulieren vermögen die Künste gleichermaßen plausible und widersprüchliche Szenarien zu testen, Heterochronien zu erproben und andere Körper zu denken. Der Band fragt, welches andere Wissen die spekulativen Verfahren der Kunst freilegen. Wie wird Künftiges, Virtuelles oder Utopisches vorstellbar? Und wie lassen sich vor diesem Hintergrund Kategorien wie künstlerische Produktion, ästhetische Erfahrung oder der Wert des Kunstwerks neu bestimmen?

verunreinigen

Ausgabe #10

Als Kunst ist das Kino für Alain Badiou eine eigenständige Denkweise, die, wann immer sie genuin filmische Wahrheiten hervorbringt, eine Lücke ins Wissen zu reißen vermag. Insofern dieses Denken untrennbar mit der künstlerischen Anordnung des Kinos verbunden ist, dem Badiou zufolge eine fundamentale Unreinheit wesentlich ist, handelt es sich um ein Denken im Unreinen bzw. in Unreinheiten. Der Beitrag erschließt diese Theorie und lotet aus, inwieweit sich darin die Konturen eines Konzepts künstlerischen Denkens abzeichnen, das auch jenseits des medialen Dispositivs des Kinos Gültigkeit für zeitgenössische Kunstpraxen unter den Vorzeichen von Intermedialität und Hybridisierung beanspruchen kann.